• Immobilienmarkt ausser Kontrolle?

Immobilienmarkt ausser Kontrolle?

18.11.2021 Albert Leiser

Falls Sie sich zurzeit um eine Hypothek bemühen, dürften sie Ihnen zu einem Zinsfuss zwischen etwa 0,7 und 1,5% angeboten werden. Kaum zu glauben, dass der Zinsfuss für erstrangige Hypotheken schon mal bei sage und schreibe 7% lag. 25 Jahre ist das her. Im Vergleich zu damals sollte es heute also wesentlich leichter fallen, Wohneigentum zu erwerben. Dass dem nicht so ist, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Was läuft falsch?

Die Crux liegt bei den Immobilienpreisen. Diese richten sich nach Angebot und Nachfrage. Während letztere in Anbetracht von Passivzinsen auf grossen Bankvermögen und mangels Anlagealternativen explosionsartig zugenommen hat, stagniert das Angebot, wenn es wegen raumplanerischen Massnahmen nicht gar abgenommen hat. Das führt zwangsläufig zu rasant steigenden Preisen. Private Kaufinteressenten sind gegenüber institutionellen Anlegern, wie Versicherungen oder Pensionskassen, meistens hoffnungslos unterdotiert. Dass die Stadt, wenn es nach der SP geht, die Situation mit 200 Millionen Franken für ihre Stiftungen zusätzlich verschärfen soll, ist ein Kapitel für sich. Statt dem Drittelsziel hinterherzuhecheln, sollte man vielleicht den Mut haben, sich zu fragen, ob man an der Misere nicht mitschuldig ist.  

Auf der Nachfrageseite wird sich kaum etwas bessern, solange sich die Zinssituation nicht grundlegend ändert. Und danach sieht es bis auf weiteres nicht aus. Dass mehr Kapital denn je in den Immobilienmarkt fliesst, ist per se ja auch nicht schlecht, sind die Klagen über fehlende Wohnungen doch unüberhörbar. Die Lösung muss also angebotsseitig gesucht werden. Boden ist aber bekanntlich ein unvermehrbares Gut und gerade dort, wo der Bedarf an mehr Wohnraum am grössten ist, bereits weitestgehend überbaut. Einzonungen haben politisch nicht den Hauch einer Chance. Bleibt Verdichtung. Raumplanerisch müsste sie ernsthaft angestrebt und politisch durchgesetzt werden. Es wäre an der Zeit, von dieser nicht nur zu reden, sondern sie auch tatsächlich grossflächig zu ermöglichen. Noch so bilden all die Schutznormen, vom Ortsbild- über den Denkmal- und und, und, bis zum Lärmschutz, reichlich Hindernisse. Auch das sollte übrigens nicht als unumstösslich gelten.